POETRY-SLAMS (& CO)
Viel Spaß beim Reinhören und Lesen! :)
BEZAHLT
In Kooperation mit einer Freundin aus Marburg ist zu dem Thema Sünde, Rettung und Vergebung ein Kunstwerk aus Poetry-Slam und Gemälde entstanden. Viel Spaß beim Anschauen!
GENUG
Ein Poetry-Slam zum Thema Identität, Selbstwert und das, was Gott über uns sagt.
DIE GOLDENE REGEL
Was meint Jesus damit, wenn er sagt, dass wir andere so behandeln sollen, wie wir selbst behandelt werden wollen und wie kann das im Alltag konkret aussehen?
WAHRHEIT UND SCHÖNHEIT
Seit über einem Jahr lag dieser Entwurf nun schon unbearbietet auf meinem alten Laptop. Ein kleines Großprojekt, das nun endlich fertig geworden ist! Der Slam war ursprünglich ein Beitrag in einem CelebraTe-Gottesdient, in welchem Dr. Johannes Hartl über Schönheit und Wahrheit predigte. Dementsprechend trägt der Text nun ebenfalls diesen Titel. Viel Spaß beim Ansehen!
HOFFNUNG
Was ist es, das dir - und mir - Hoffnung gibt? Worauf bauen wir, was ist unser Fundament, gerade in Zeiten, die stürmisch und herausfordernd sind? Dieser Frage möchte ich mich in einem Poetry-Slam widmen, der ursprünglich als Beitrag zum Eröffnungsgottesdienst der Allianzgebetswoche in Marburg diente.
DAS GRÖSSTE GESCHENK
Ein Poetry-Slam über die Bedeutung von Weihnachten und über die Frage, warum wir das größte aller Geschenke und den eigentlichen Grund für das Fest so oft vergessen.
BE THE LIGHT
Was heißt es, in unserer Welt einen Unterschied zu machen? Wie können wir "Salz und Licht" sein und Jesus Auftrag an uns ernst nehmen?
EWIGKEIT
Als ein Freund in meinem Alter verstorben ist, habe ich habe gemerkt, dass meine Hoffnung teilweise noch sehr abstrakt ist. Ich habe manchmal das Gefühl, wir hören viel zu wenig Predigten über den Himmel: Dieser Text ist als Ermutigung gedacht und ich hoffe, ihr könnt zum Umgang mit dem Thema Tod etwas mitnehmen. Viel Spaß beim Anhören! ☺️
BIST DU EGOISTISCH?
Dieser Text stammt nicht von mir, doch ich durfte Teil eines Videos einer Freundin sein, die zu dieser Zeit ein Praktikum bei einem kleinen, öffentlich rechtlichen Fernseher absolvierte. Dementsprechend alt ist es mittlerweile auch. Doch die Botschaft finde ich nach wie vor sehr gut, weshalb ihr es euch hier anschauen könnt:
WUNDEN ZU WUNDERN
Dieser Text ist für das christliche Jugendprojekt Trustory (vorher Jesus House) entstanden. Der Inhalt ist deshalb rein fiktiv, aber sicherlich irgendwo auf dieser Welt schon so oder in ähnlicher Form passiert. Der sehr wahre Kern des Slams ist, dass Gott wegen seiner eigenen Wunden die Kraft hat, auch aus unseren Wunden Wunder zu machen.
KURZGESCHICHTE: THE ASSISTANT
Tag 1
Man hat mich aus medizinischen Gründen gebeten, jeden Tag – und später wenigstens einmal die Woche – festzuhalten, was mir alles widerfährt und wie ich den „Assistant“ erlebe. Wie gut, dass ich das nun nicht mehr handschriftlich erledigen muss. Es reicht, die Sätze gedanklich zu formulieren und schon erscheinen sie auf jeglichen auf meinen Namen verifizierten Geräten in meiner Umgebung: Dem Fitnesstracker an meinem Handgelenk, dem Notebook auf meinem alten Schreibtisch und sogar den intelligenten Gläsern der Brille, die ich trage. Moment. Ändere Schriftart. Faszinierend. Ich scrolle die vor meinen Augen entstehenden Worte entlang und ertappe mich dabei, wie ich zufrieden grinse. Allein dafür hat sich diese Investition schon gelohnt. Seit ich im Besitz des Computerchips bin, der das Zentralnervensystem meines Gehirns unterstützt und ergänzt, sind viele Dinge einfacher: Der „Assistant“ verhilft mir zu einem besseren Gedächtnis, speichert erlebte Momente als Fotodateien auf meinem Notebook, gibt mir die Fähigkeit, Gitarre zu spielen
und ermöglicht mir sogar eine direkte Onlinekommunikation, ohne, dass ich einen Finger rühren muss. Wer braucht schon ein altmodisches Mobiltelefon, wenn man Nachrichten auch per Gedankenübertragung senden kann – oder einen Arzt, wenn ein sehr viel zuverlässigeres und intelligenteres Programm rund um die Uhr Statusupdates zum eigenen Wohlbefinden hochlädt?
Ich sehe aus dem Fenster hinaus auf unsere idyllische Vorstadtsiedlung, vergrößere mithilfe meiner Brillengläser ab und an mal ein Auto oder einen Passanten und frage mich, wer von all diesen Menschen auch im Besitz eines „Assistant's“ sein könnte. Von außen sieht im Licht der Nachmittagssonne alles völlig normal und sogar behaglich aus: Die kupferroten Dächer, das sattgrüne Gras und darüber ein blassblauer Himmel, über den der sanfte Wind nur dann und wann ein paar einzelne Wolkenfetzen treibt. Ich könnte hinausgehen... Denn durch dieses neue, praktische Teil gingen mir die Hausaufgaben heute so schnell von der Hand wie noch nie zuvor, sodass ich seit langem mal wieder einen ganzen Nachmittag Zeit habe. „Die Außentemperatur beträgt 23°C.“, unterstützt mich der „Assistant“ bei meinen Überlegungen. ,Okay, schon klar, Entschluss gefasst!', gebe ich in Gedanken zurück und sprinte die Treppe hinunter an meiner verdutzten Mutter vorbei nach draußen. „Schicke Nachricht an Luisa, Anton und Tim!“, weise ich das Gerät außerdem an und muss unwillkürlich grinsen. Und da sollte nochmal einer sagen, die Technik halte die Jugendlichen davon ab, raus zu gehen...
Tag 3
Je länger ich dieses Gerät habe, desto begeisterter bin ich. Gerade gestern habe ich ein Mädchen kennengelernt, nein falsch: Ich habe das Mädchen getroffen. Sie ist einfach der Hammer und das Beste an der Sache ist, dass es mein „Assistant“ war, der ein gemeinsames Treffen organisierte. Er benachrichtigte mich über meine Brille, dass ein Mädchen in der Nähe sei, dass mit 99,5%iger Wahrscheinlichkeit mein Typ sei – und just in diesem Moment kam besagtes Mädchen – das Programm hatte nicht zu viel versprochen – bereits auf mich zu und sagte: „Hey, du musst Max sein. Ich heiße Rabea.“
Bei einem gemeinsamen Kaffee klärte sie mich dann darüber auf, dass die Softwares unserer beiden „Assistant's“ einen automatischen Interessen- und Eigenschaften-abgleich durchgeführt und uns so zusammen gebracht hätten. „Verstößt das nicht gegen die Datenschutzgesetze?“, fragte ich erstaunt, noch nicht ganz bereit, an dieses Wunder – einerseits an das technische und andererseits an das, das direkt vor mir saß – zu glauben.
Doch Rabea schüttelte nur den Kopf. „Nein, nicht, solange diese Daten nicht offen zugänglich sind.“ Mensch! Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir dieses Teil schon viel früher besorgt.
Tag 7
Mein Leben ist momentan in jeder Hinsicht perfekt: Die Noten werden besser, die Beziehung zu meinen Eltern infolgedessen deutlich entspannter und darüber hinaus habe ich seit heute eine Freundin, die ich ohne meinen „Assistant“ schüchtern wie ich nun einmal bin gar nicht erst angesprochen hätte. Ja, es ging ziemlich schnell, ich weiß, doch wir ergänzen uns einfach perfekt – und das in jeder Hinsicht. Ich sollte das sofort öffentlich machen und jedem erzählen, den ich kenne, damit jeder den Partner seiner Träume finden kann, völlig kostenlos! Und ich sollte mir dringend ein neues Handy zulegen, die Garantie läuft bald ab!
Ich bin gerade im Begriff, nach meinem Notebook zu greifen um jedem meiner Freunde ein Video zu schicken, in dem ich von meinen Erfahrungen berichte, als ich plötzlich stutzig werde. Moment mal... Was habe ich da gerade gedacht? Oder – ein Schauer fährt mir den Rücken hinunter – war das überhaupt ich?
Schnell lege ich den Laptop beiseite und zwinge mich dazu, mich ein wenig zu beruhigen.
Egal. Nur keine Aufregung. Das war bestimmt nur ein einmaliger Defekt.
Tag 14
Die Ausfälle häufen sich. Mal kann ich plötzlich nicht mehr Gitarre spielen, dann ertappe ich mich mit einem Mal dabei, wie ich etwas völlig Sinnloses bestellen will oder etwas für mich völlig Untypisches tun will; so wie zum Beisiel mein Zimmer aufzuräumen. Und ein anderes Mal bemerke ich, dass es Passagen eines Tages gibt, an die ich überhaupt keine Erinnerung habe, so als seien xy12_?!wK#/ 28nem Kopf _,sy gelöscht. Oder es passiert das. Ob ich wohl zu einem Arzt gehen sollte? Obwohl... Das ist eigentlich nicht nötig. Mein „Assistant“ ist besser und zuverlässiger als jeder menschliche Arzt.
Eine Fehlfunktion ist völlig ausgeschlossen.
Tag 19
Morgen sage ich x|?%#n Eltern Bescheid. So geht 9~] nicht weiter. Rabea ist auch schon völ€': besorgt. Ausschalten kann man das bekloppte Teil ja auch nicht. Es erlaubt mir nicht (_,411 mehr, meine Freunde über die sozialen Netzwerke °+ kontaktieren, geschweige denn, irgendwie ^╝ Hilfe zu rufen. So langsam frage ich mich, wer hier x^t Sagen hat.
Tag 20
Lösche Beitrag.
Tag 21
Ich habe mich geirrt. Jetzt funktioniert alles wieder. Es besteht kein Grund zur Sorge. Und jetzt kaufe ich endlich ein neues Handy. Der Hinweis war doch gar nicht so blöd. Denn der „Assistant“ will nur mein Bestes. Und zwar immer.
Ohne Ausnahme.
KURZGESCHICHTE: NAMENSLOS
Die erwartungsschwere Stille quoll durch die dicken Vorhänge aus dem Saal hinaus und legte sich wie eine zweite, einengende, erstickende Haut über ihren gesamten Körper. Wie zähflüssiger Sirup schien sie ihre Atemwege zu verstopfen, sodass sie mit einem Mal das beängstigende Gefühl hatte, direkt vor der lärmenden Belüftungsanlage ersticken zu müssen. Panik, vermischt mit der kühlen, aber abgestandenen Luft aus dem Lüfter, sorgte dafür, dass sich ihr sämtliche Nackenhaare
aufstellten. Und dabei hatte sie das alles schon mehrere dutzend Mal erlebt.
Zwar hatte sie noch nie direkt im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden, doch im Grunde genommen war es ja jedes Mal dasselbe:
Lächeln, Winken, Posieren.
Den Journalisten der Klatschzeitungen einen möglichst tiefen Einblick in ihr Dekolleté gestatten.
Auf schmierige Komplimente und oberflächliche Bemerkungen mit den inhaltslosen
Standardphrasen reagieren, weil sich ohnehin niemand für ihre Antworten interessierte.
Letztendlich ging es nur um eines: Schön auszusehen.
Ab und an gab es sogar noch Interessenten für Autogramme oder Fotos, doch selbst die betrachteten sie letztendlich nur als Objekt: Entweder als fernes, unnahbares Idol oder als jemanden, mit dem man eben angab, weil man ihn getroffen hatte.
Wie sagte man dazu...? Ein menschliches Prestigesymbol, ein lebendiges Aushängeschild, ein denkender und fühlender Aufnäher, die Schaufensterpuppe ihrer Produktionsfirma… - vielleicht war es das. Doch wie man es auch bezeichnen wollte, -sie fand es jedes Mal aufs Neue schrecklich.
„Bist du soweit?“ Niclas' unangenehme Stimme riss sie aus ihren düsteren Gedanken und katapultierte sie in die nicht weniger unangenehme Realität.
„Klar.“ Wer sie nicht gut genug kannte, würde nicht in der Lage sein, etwas von dem Aufruhr zu bemerken, der in ihr herrschte. Und genau genommen vermochten nicht einmal ihre engsten Bekannten, ihre Gefühle richtig zu deuten.
Dazu war sie mittlerweile zu gut in ihrem Job.
Und zu einsam.
Natürlich, es war ihre eigene Entscheidung gewesen. Manchmal fragte sie sich allerdings, ob es nicht doch einen Ausweg gegeben hätte, eine Möglichkeit, von der Straße abzubiegen, die sie in diese sinnlose, leere Sackgasse geführt hatte.
Doch die Hand auf ihrer Schulter schob sie selbst jetzt noch unnachgiebig nach vorn.
„Los, Baby, rocken wir diesen Abend.“
„Ja, klar.“ Diesmal gab sie sich keine Mühe, die resignierte Müdigkeit aus ihrer Stimme
herauszuhalten. „Rocken wir diesen Abend.“
Applaus brandete auf, als sie durch den Vorhang traten. Licht stach ihr fast die Augen aus. Und dann diese Wärme, das Getuschel, der Schweiß. Viel zu viele Menschen saßen in einem viel zu kleinen Raum und warfen ihr in Form einer schweren Duftwolke und des leisen Geflüsterssämtliche Beweise ihrer Existenz entgegen – mit Ausnahme von ihrem Aussehen. Sie war blind von den Scheinwerfern, taub für die Begeisterung und stumm vor Frustration.
Sie sah niemanden.
Aber alle sahen sie.
Das war nicht fair, dachte sie, einfach nicht fair. Professionell wie sie war, lächelte sie jedoch lediglich darüber hinweg und betete, dass sie sich bald hinsetzen durfte. Niclas, ihr Produzent, ergriff nach einem Blick auf seine teure Armbanduhr schließlich die Initiative und schob sie auf einen jungen Mann zu, der sie zu ihrem Platz geleitete. Ganz vorne. Für einen kurzen Moment hatte sie Sorge, von den vielen auf sie gerichteten Blicken in ihrem Rücken erdolcht zu werden.
Kein schöner Tod, vielleicht, aber ein passender.
Passend jedenfalls zu dem Film, dessen Bilder nun erstmals in aller Öffentlichkeit über die Leinwand flimmerten und die Premiere zu dem machten, was sie nun einmal war. Die sie selbst zu dem machten, was sie war – oder besser: Sein sollte.
Beim Anschauen mancher Szenen hatte sie plötzlich das Gefühl, nicht mehr zu wissen, ob diese Person wirklich sie selbst war. Ob die leere Hülle, die ihr Gesicht in die Kamera hielt, überhaupt noch ein Innenleben hatte, oder ob sie mit
jeder neuen Rolle einen Teil der Persönlichkeit verlor, die sie einst gewesen war. Manchmal wusste sie mit einem Mal nicht mehr, ob sie die Gefühle, die sie spielte, nicht wirklich empfand. Und andersherum konnte es genauso gut vorkommen, dass eine Empfindung, die sie im ersten Moment noch für echt hielt, im nächsten bereits fahl und abgestanden und bereits hundertmal nachgeahmt schmeckte. Unecht, eben. Ob sie echt gewesen war, oder nicht – in dem Augenblick, in dem sie sie als Schauspielerin fühlte, war sie es nicht mehr, konnte es gar nicht mehr sein.
Ihr Job hatte gierig die Finger nach ihrem Privatleben ausgestreckt und jetzt, wo sie ganz vorne in diesem albern golden gepolsterten Kinosessel saß, merkte sie, dass er es geschafft hatte. Und ihr Job hatte ihr nicht nur ihre Selbstsicherheit und ihre Identität gestohlen, sondern auch ein Stück ihrer Seele mitgenommen.
Die Bedeutung dieser Erkenntnis raubte ihr abermals den Atem.
Beinahe wäre sie fortgelaufen.
Aber nur beinahe.
Stattdessen sah sie der Fremden auf der Leinwand weiter zu, unfähig, sich zu bewegen und sie vor dem Unglück zu warnen, in dass sie mit jeder falschen Träne weiter hineinlief.
„Großartig.“ Schmierige Finger auf ihrem Arm. Von rechts.
Sie hob den Kopf und schaute direkt ins Gesicht eines untersetzten Mittfünfzigers, der in seinen jugendlichen Kleidern seiner verlorenen Jugend hinterher zu trauern schien. Man hatte sie neben dem Hauptsponsor der Filmproduktion platziert. War sie ein Teil der Belohnung? Erwartete man nun von ihr, dass sie gute Miene zum bösen Spiel machte? Flirtete? Später vielleicht gar Gefummel an der Bar ertragen musste? Würde Niclas diesen Mann aufhalten? Oder würde er ihn gewähren
lassen und sie später keines Blickes würdigen – aus Scham oder Arroganz oder was auch immer...
So war es schon einige Male abgelaufen.
Sie fühlte sich schmutzig und ausgenutzt und schaffte es nur mit Mühe, ein verzweifeltes Stöhnen zu unterdrücken.
„Vielen Dank.“, presste sie zwischen den Zähnen hervor.
„Darf ich sie nach diesem Meisterwerk auf einen Drink einladen?“
„Natürlich.“ Jetzt hatte sie ihre Stimme wieder unter Kontrolle. Distanziert und ein wenig kühl klang sie, dabei jedoch keinesfalls unhöflich. Eher... gleichgültig.
Es hatte Jahre gekostet, sich diesen Tonfall anzutrainieren.
Hier war er genau richtig.
„Sie sehen fantastisch aus, heute Abend, wissen Sie das?“
Sie beschloss, die rhetorische Frage zu ignorieren und antwortete stattdessen mit: „Vielen Dank.“
Das Kleid, das sie trug, hatte man ihr herausgelegt. Selbst ausgesucht hätte sie es nie – ein weiteres Zeichen dafür, dass sie immer mehr von ihrer Selbstständigkeit verlor und nach außen hin ständig nur vorgab, jemand anders zu sein. Und dass dieser jemand so nach und nach auch nach innen zu dringen schien; ansonsten hätte es sie doch gestört, dass sie nicht anziehen durfte, was sie wollte,
oder? Etwas, das weniger von ihren Beinen, weniger von ihrem Busen, weniger von... ihr selbst zeigte. Etwas, in dem man sich zur Not vor den gierigen Fingern von Männern, die es nicht gewohnt waren, einmal nicht ihren Willen zu bekommen, verstecken konnte. Sie bekam Angst.
Um sich abzulenken, versuchte sie, sich auf den Film zu konzentrieren, den auch sie zum ersten Mal sah. Doch sie schaffte es einfach nicht, die vielen Szenen zu einem Ganzen zu verknüpfen, selbst obwohl sie das Drehbuch kannte, schien das Ganze plötzlich keinen Sinn mehr zu ergeben und die Handlung in tausend verschiedene Fragmente zu zerspringen. Alles, was sie sehen konnte, war ihr eigenes Gesicht, das in diesem Moment direkt in die Kamera schaute und die Worte „Lauf!“ direkt an sie selbst zu richten schien. Sie schauderte – und richtete sich mit einem Mal
ruckartig in ihrem Sitz auf. Da war etwas in ihren eigenen Augen... Angst.
Und zwar keine gespielte, nein, es war echte, ungetrübte Panik.
Zwar nur für einen winzigen Augenblick zu sehen, doch es reichte.
Da war sie. Noch nicht völlig verschüttet, irgendwo da drinnen immer noch gefangen. Und sie rief, nein, schrie um Hilfe.
Es war dieser Moment, in dem sie die Entscheidung in die Tat umsetzte, doch innerlich hatte sie sie bereits viel früher getroffen, das wurde ihr jetzt überdeutlich klar. Sie straffte die Schultern und richtete sich auf. Langsam, zunächst. Beherrscht.
Ein letztes Mal schenkte sie der übergroßen Leinwand einen verabschiedenden Blick.
Lächelte. Wendete sich ab.
Und dann, endlich -
rannte Lara.